Chronik

Schon 1720 wurde die Cunewalder Schützengilde durch den Mittelcunewalder Gutsherrn Ferdinand Rudolph von Ziegler und Klipphausen gegründet. Damit sollte, ähnlich wie in den umliegenden Städten, ein Machtinstrument geschaffen werden, um bei besonderen Anlässen, wie z. B. in Kriegs- und Notzeiten und zur Aufrechterhaltung der Ordnung eine schlagkräftige Truppe, im Umgang mit Waffen geübt, zur Verfügung stehen. Die Auswahl der Schützengilde oblag bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhundert der Gutsherrschaft. Es wurden vor allem dem Hof verpflichtete Mitarbeiter eingesetzt, wie z. B. die Förster, Verwalter, Gerichtsbedienstete, aber auch die Müller, Bleicher, Brauer und andere.

Eine regelmäßige Waffenausbildung erfolgte bei den so genannten Schützenfesten, aber auch zu anderen Gelegenheiten. In Mittelcunewalde wurden nach 1740 im Bereich der neu angelegten Ziegelscheune, Schießstände eingerichtet. Bald entwickelten sich mit Unterstützung der Gutsherrschaft die Schützenfeste zu dörflichen Höhepunkten.

Die Schützengilde erhielt vom Obercunewalder Gutsherrn in mancherlei Hinsicht Unterstützung, so u. a. durch die Bereitstellung des gut ausgebauten Schützenlokals im Mittelkretscham mit Schützenstube und Tanzsaal sowie einer Schützenküche und ein Schützenkeller, zu der auch eine Gefängniszelle mit Halseisen und Beinschellen gehörte.

Die nach 1880 begonnene Neuformierung der Cunewalder Schützen brachte umfassende Veränderungen. Mit Unterstützung vieler Cunewalder Einwohner war es möglich, für 10276 Mark zuzüglich Dacheindeckung in der Nähe der Ziegelscheune ein neues Schützenhaus zu errichten.

1886 erfolgte beim Amtsgericht Neusalza die Eintragung in das Genossenschaftsregister unter der Bezeichnung "Schützengesellschaft Cunewalde". Fort an wurden zwei Kompanien gebildet, und zwar eine Jägerkompanie mit Adolf Liebscher als Major und Jägerhauptmann Ernst Liebscher, dem Oberleutnant Friedrich Hensel und den Leutnants Friedrich und Karl Kutschke. Neben Feldwebel, Seregants und Oberjäger zählte man 28 Jäger.

Jahreshöhepunkte waren die Schützenfeste, verbunden mit einem großen Festumzug, in dem die Königsscheibe und die Vereinsfahne mitgeführt wurden. Sie begannen am Sonnabend mit dem Probeschießen und endeten jeweils am Dienstag mit dem Feuerwerk. Da gab es immer einen tollen Betrieb zum großen Cunewalder Schießen, und die meisten Einwohner des Cunewalder Tales waren tagelang auf den Beinen.

Nach 1945 wurden die Schützenfeste als "Sozialistische Dorf- und Betriebsfestspiele" umdeklariert. Die Verantwortung hierfür übernahm die Gemeinde. In Cunewalde konnte die freiwillige Feuerwehr für die Ausgestaltung mit einbezogen werden, und das ist bis auf den heutigen Tag so geblieben.

QUELLE: Ortschronik